Die Welt des Weines
ist bekanntlich eine Wissenschaft für sich, mit etlichen
Schulen, Fachbegriffen und Mythen.
Wer im
Universum von Rebsorten, Holzfässern und
Gärbottichen die Übersicht gewinnen möchte, für
den empfiehlt sich ein Besuch der Kleinen Weinakademie von
Kai-Uwe Lehmann.
Der frühere
Restaurantleiter doziert seit sechs Jahren in seinen
Räumen in der Stuttgarter Gutenbergstrasse über
Wein und Essen.
Seine
Leidenschaft gilt dem gemeinsamen, lehrreichen Genuss
und nicht etwa dem bloßen Verkauf des Rebensafts.
Bei seinen Weinproben und Seminaren lässt er seine
Gäste Gewächse aus Übersee mit solchen aus Europa
vergleichen und kombiniert in seinem Vortrag Fachwissen mit
Humor.
Die
Teilnehmer erfahren in romantischer Kerzenlichtatmosphäre
von den Anfängen des Weinbaus in Ägypten, den
Besonderheiten der einzelnen Weinbaugebiete bis hin zu
den technischen Aspekten des Ausbaus, alles aus dem
Munde eines anerkannten Weinberaters und überzeugten
Genießers.
Bei den
Beurteilungskriterien gibt es für Lehmann keine Zweifel:
Der Kenner entscheidet mit dem Gaumen. Von
Weinrankings hält er nichts. Süffisant fragt er:
"Wie schmecken 93 Punkte?"
Auch sonst
wirft Lehmann etablierte Ansichten über den Haufen. Bei
weltweit 8400 Rebsorten könne es einfach keine wirklichen
Weinkenner geben.
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Fachmann sei
einer, der große Kenntnisse mit der Leidenschaft für den
Geschmack und die Poesie des Weines verbindet.
Auch die
sogenannten großen Jahrgänge, die von
den Vermarktern für jeweils ganze Landstriche
ausgerufen werden, seien eine unzulässige
Pauschalierung.
Aufgrund des
entscheidenden Mikroklimas würden Tropfen von
unterschiedlicher Qualität gekeltert.
Trotz seiner
Reisen zu Lagen in aller Welt bleibt der deutsche
Wein sein Steckenpferd. Lehmann ist ein Botschafter des
Rieslings, ein Missionar in Sachen geselligen Genusses.
An seinen
Tischen sitzen Praktikanten neben Vorstandsmitgliedern,
Programmierer neben Winzern. Wein ist ein Medium,
das Verbindungen schafft und neugierig macht.
Fragen nach der richtigen Kombination von Speise und Wein
beantwortet Lehmann mit eindeutigen Vorgaben:
kräftiger Tropfen zu kräftiger Soße und Gebratenem.
Nicht wundern,
wenn zu gegrilltem Zander oder Hecht ein leichter Roter
serviert wird.
Wenn nach
12 bis 18 Weingängen das Seminar beendet ist, entlässt
Lehmann seine Schüler mit dem Gefühl, die Weinwelt um ein
paar Wissende reicher gemacht zu haben.
Sollte
sich der Erkenntniszuwachs erst nach dem einen oder
anderen Glas zuviel eingestellt haben, hat
Menschenfreund Lehmann auch schon mal ein Gästebett in
seiner Wohnung angeboten.
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