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Aus Peter Camenzind von Hermann Hesse
Was meinem Vater seinerzeit nicht gelungen war, das gelang
nun diesem Liebeselend. Es erzog mich zum Zecher.
Für mein Leben und Wesen war das wichtiger als irgend
etwas von dem, was ich bisher erzählte. Der starke, süße
Gott ward mir ein treuer Freund und ist es heute noch. Wer
ist so mächtig wie er? Wer ist so schön, so phantastisch,
schwärmerisch, fröhlich und schwermütig? Er ist ein Held
und Zauberer. Er ist ein Verführer und Bruder des Eros. Er
vermag Unmögliches; arme Menschenherzen füllt er mit
schönen und wunderlichen Dichtungen. Er hat mich
Einsiedler und Bauern zum König, Dichter und Weisen
gemacht. Leer gewordene Lebenskähne belastet er mit neuen
Schicksalen und treibt Gestrandete in die eilige Strömung
des großen Lebens zurück.
So ist der Wein. Doch ist es mit ihm wie mit allen
köstlichen Gaben und Künsten. Er will geliebt, gesucht,
verstanden und mit Mühen gewonnen sein. Das können nicht
Viele, und er bringt tausend und tausend um. Er macht sie
alt, er tötet sie oder löscht die Flamme des Geistes in
ihnen aus. Seine Lieblinge aber lädt er zu Festen ein und
baut ihnen Regenbogenbrücken zu seligen Inseln. Er legt,
wenn sie müde sind, Kissen unter ihr Haupt und umfasst
sie, wenn sie der Traurigkeit zur Beute fallen, mit leiser
und gütiger Umarmung wie ein Freund und wie eine
tröstende Mutter. Er verwandelt die Wirrnis des Lebens in
große Mythen und spielt auf mächtiger Harfe das Lied der
Schöpfung.
Und wieder ist er ein Kind, hat lange seidige Locken und
schmale Schultern und feine Glieder. Er lehnt sich dir ans
Herz und reckt das schmale Gesicht zu deinem empor und
sieht dich erstaunt und traumhaft aus lieben großen Augen
an, in deren Tiefe Paradieserinnerung und unverlorene
Gotteskindschaft feucht und glänzend wogt wie eine
neugeborene Quelle im Wald.
Und der süße Gott gleicht auch einem Strom, der tief und
rauschend eine Frühlingsnacht durchwandert. Und gleicht
einem Meere welches Sonne und Sturm auf kühler Woge wiegt.
Wenn er mit seinen Lieblingen redet, dann überrauscht sie
schaudernd die stürmende See der Geheimnisse, der
Erinnerung, der Dichtung, der Ahnungen. Die bekannte Welt
wird klein und geht verloren und in banger Freude wirft
sich die Seele in die straßenlose Weite des Unbekannten,
wo alles fremd und alles vertraut ist und wo die Sprache
der Musik, der Dichter und des Traumes gesprochen wird.
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Das
Glas
Ein Philosophie-Professor stand vor seinen Studenten und
hatte ein paar Dinge vor sich liegen. Als der Unterricht
begann nahm er ein großes leeres Gurkenglas und füllte es
bis zum Rand mit großen Steinen.
Anschließend fragte er seine Studenten ob das Glas voll
sei? Sie stimmten ihm zu.
Der Professor nahm eine Schachtel mit Kieselsteinen und
schüttete sie in das Glas und schüttelte es leicht. Die
Kieselsteine rollten natürlich in die Zwischenräume der
größeren Steine.
Dann fragte er seine Studenten erneut ob das Glas jetzt
voll sei? Sie stimmten wieder zu und lachten.
Der Professor seinerseits nahm eine Schachtel mit Sand und
schüttete ihn in das Glas. Natürlich füllte der Sand die
letzten Zwischenräume im Glas aus.
Nun, sagte der Professor zu seinen Studenten: Ich möchte
dass sie erkennen, dass dieses Glas wie ihr Leben ist!
Die Steine sind die wichtigen Dinge im Leben:
ihre Familie, ihr Partner, ihre Gesundheit, Ihre Träume,
ihre Kinder, Dinge, die - wenn alles andere wegfiele und
nur sie übrig blieben - ihr Leben immer noch erfüllen
würden.
Die Kieselsteine sind andere, weniger wichtige Dinge wie
z.B. ihre Arbeit, ihre Wohnung, ihr Haus oder ihr
Auto.
Der Sand symbolisiert die ganz kleinen Dinge im Leben. Wenn
sie den Sand zuerst in das Glas füllen bleibt kein Raum
für die Kieselsteine oder die großen Steine.
So ist es auch in ihrem Leben, wenn sie all ihre Energie
für die kleinen Dinge in ihrem Leben aufwenden, haben sie
für die großen keine mehr.
Achten sie auf die wichtigen Dinge, achten sie auf ihre
Gesundheit, nehmen sie sich Zeit für ihre Kinder oder
ihren Partner,. Es wird noch genug Zeit für Arbeit,
Haushalt, Zerstreuung. Achten sie zuerst auf die großen
Steine, sie sind es die wirklich zählen. der Rest ist
buchstäblich nur Sand.
Nach dem Unterricht nahm einer der Studenten das Glas mit
den großen Steinen, den Kieseln und dem Sand - bei dem
mittlerweile sogar der Professor zustimmte, dass es voll
war - und schüttete ein Glas Wein hinein.
Der Wein füllte den noch verbliebenen Raum im Glas aus;
dann war es wirklich voll!
Die Moral von der Geschichte:
Egal wie erfüllt ihr Leben ist, es ist immer noch
Platz für ein Glas Wein.
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